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Erfahrungsbericht: Universität Turin

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An der Universität Turin stehen zwei Austauschplätze für je ein Studienjahr zur Verfügung.

Das Studienjahr ist in Semestern organisiert:

  • Winter Semester: Ende September - Ende Januar
  • Sommer Semester: Anfang März - Ende Juni

Unterrichtssprache ist Italienisch.

... und Meinungen aus den Erfahrungsberichten ehemaliger Austauschstudenten

Wohnung

Der erste Aufenthalt zur Organisation des Studiums sollte der Wohnungssuche dienen. Hierzu gibt es an den Zeitungsständen einige Blätter wie "Secondamano" oder "Cercocasa", die mehrmals wöchentlich erscheinen. Die meisten Angebote sind jedoch mit einer Vertragslaufzeit von einem Jahr. Wer sich aber nur für ein Semester in Torino aufhalten will, sollte sich an der BWL-Fakultät an den schwarzen Brettern (im hinteren Bereich des Gebäudes über alle Stockwerke) oder im Hauptgebäude der Uni umsehen. Auch die Studenteninitiativen bieten Adressen, wobei diese mit Vorsicht zu genießen sind. So ist das Angebot der Fachschaft für ein Wohnheim für Lit. 700.000 etwas überteuert, auch kirchliche Einrichtungen mit beschränkten Ausgehzeiten und Empfangszeiten für Besuche sind nicht jedermanns Geschmack.

Für ein Zimmer in einer WG zahlt man zwischen Lit. 250.000 und 500.000, je nach Lage und Ausstattung, Einzel- oder Mehrbettzimmer, Zuschlägen für Strom, Gas oder Heizung, etc. Wichtig ist auch eine gute Verkehrsanbindung ins Zentrum, damit man sowohl zur Uni, zum Erasmusbüro, in die Mensen und zu den Sprachkursen kommt – und nicht zuletzt für die Abendgestaltung, die sich komplett im Zentrum abspielt!

Erasmusbüro

Dies sollte während des ersten Aufenthaltes die nächste Anlaufstelle sein, um sich anzumelden, sein "Libretto" (Studienbuch), weitere Formulare und - bei Nachfrage - eine Zusatzbestätigung für die Heimatuni zu erhalten. Die drei weiteren Formulare sind für die Mensakarte, für Studentenmonatsmarke des ATM und für die "Questura". Die Öffnungszeiten des Erasmusbüro sind von 9.00 bis 11.00 Uhr und während des Semesters auch zusätzlich Dienstag bis Donnerstag 13.30- 15.00. Diese Zeiten sind genau einzuhalten! Das Erasmusbüro will natürlich auch die Adresse haben, um etwaige Unterlagen zusenden zu können, doch für alle Informationen erscheint man dort besser persönlich.

Seid immer nett zu Massimo!

Sonstige Formalitäten

Für die Abwicklung der restlichen Formalitäten gilt folgende Reihenfolge:

  1. Monatsmarke des ATM (Verkehrsverbund), die aber nur bis einschließlich 25 Jahren erhältlich ist, über 25 gibt es die normale Monatsmarke "Formula U" an den zentralen Verkaufsstellen in den Bahnhöfen "Porta Nuova" und "Porta Susa". Dort ist auch ein Stadtplan der Bus- und Trambahnlinien erhältlich, ebenso an den Schaltern der Bahn ein Kursbuch der Bahn für das Piemont.
  2. Mensakarte: bis 13.00 sollte man dort erscheinen, um die Karte zur Berechtigung für die Mensa zu erhalten. Dort bekommt man auch einen Handzettel mit den Preisen Öffnungszeiten (Mo bis Sa, 11.45 - 14.00 und 19.00 - 20.30) und Adressen der drei Mensen. Eine Einweisung erfolgt durch das stets freundliche Mensapersonal.

    Sobald man eine Wohnung gefunden hat, kann man mit dem Rest beginnen.
  3. für jeden Bezirk (siehe Telefonbuch) gibt es ein U.S.L., eine staatliche Gesundheitsbehörde. Dorthin begibt man sich mit dem Auslandskrankenschein seiner Heimatkrankenkasse und erhält ein weiteres "Libretto", das wie unser altes System mit Krankenschein und Überweisungsformularen funktioniert. Das italienische Versorgungssystem ist leider etwas schlecht, so daß es ratsam ist, alle Arzttermine vor Beginn des Auslandsaufenthaltes oder bei Heimreisen zu erledigen. Es gibt dort zwar viele praktizierende Ärzte, doch die meisten arbeiten nur auf private Rechnung. Die öffentlichen Ärzte haben nur sporadische Öffnungszeiten, Wartezeiten bis man einen Termin erhält sind normal (evtl. für Notfälle einen zweiten Orginal-Krankenschein mitnehmen oder eben cash).
  4. Mit der Bescheinigung, drei Fotos und einer Kopie des Ausweises / Reisepasses begibt man sich nun zur "Questura", um eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten (EU - wir kommen!). Dort ist ein weiteres Formular auszufüllen und ein Exemplar der Erasmus-Formulare einzureichen. Man erhält eine vorläufige Bescheinigung, die endgültige Genehmigung kann man sich nach etwa drei bis vier Wochen dort abholen. Über den Sinn einer Aufenthaltsgenehmigung für fünf bis neun Monate kann man sich streiten, jedenfalls ist keiner von uns nach Ablauf der Aufenthaltsgenehmigung nach Deutschland ausgewiesen worden oder hat irgendwelche Repressalien erlitten
  5. Mit dieser Bescheinigung kann man nun zur Finanzbehörde gehen, um sich eine "Codice fiscale" zu holen, eine Art Steuernummer. Diese ist wichtig, um ein Bankkonto zu eröffnen oder für sonstige Behördengänge.
  6. Erst jetzt kann man ein Bankkonto eröffnen, wobei auch hier bei vielen Banken wieder das Alterslimit von 25 für Jugend- oder Studententarife gilt. Rückwirkend muss ich aber sagen, dass sich die Eröffnung eines Bankkontos nicht rechnet, da in Italien bei Auflösung des Kontos alle Kontobewegungen mit Gebühren belastet werden und -theoretisch- noch eine Auflösungsgebühr von mind. Lit. 50.000 fällig wird. Ein Italiener wechselt wohl nie seine Bank oder ist "unbekannt verzogen". Also lieber brav Kredit- oder EC-Karten verwenden, Postsparbücher haben auch funktioniert, doch waren die Abhebungen wohl mit langen Warteschlangen verbunden (viele Italiener bezahlen ihre Rechnungen immer noch per Postanweisung).

Adressen

  • Fakultät: Economia e Aziendale, Corso Unione Sovietica, 217 bis (Tram 4 oder Bus 63)
  • Erasmusbüro: Via Verdi, 15 (Bus 13, 55, 56 oder Tram 15)
  • Mensakarte: Corso Raffaello, 20 (Nähe Porta Nuova, Tram 16, 18)
  • Mensen:
    Corso Lione, 26/A (Nähe Politecnico, Bus 58),
    Via Galliari (Nähe Porta Nuova, Bus 67, 52, Tram 9, 18),
    Via Principe Amadeo, 48 ( Nähe Facoltà Humanistiche, Bus 13, Tram 15)
  • Monatsmarke ATM: Corso Francia, 6 (Nähe Porta Susa, Tram 1)
  • U.S.L., siehe Telefonbuch
  • Questura: Corso Racconigi, 100/A (Bus 55)
  • Intendenza di Finanza: Corso Bolzano, 30 (Nähe Porta Susa, Tram 1, 10, div. Busse)

Uni

Mit seinem "Libretto" begibt man sich an die Fakultät und erhält hier etwa zwei bis drei Wochen vor Semesterbeginn (Mitte September, bzw. Anfang bis Mitte Februar) einen Studienführer der jeweiligen Fakultät. Für Seminare ist es ratsam, vorweg mit den Professoren zu sprechen, auch um abzuklären, ob die Prüfungen in mündlicher oder schriftlicher Form abzuhalten sind. Auch ist es in manchen Fächern üblich (z.B. Marketing I, Economia e gestione di impresa), während des Semesters kurze Case-Studies abzufragen, die mit in die Prüfungsnote einfließen und eine konstante Anwesenheit erfordern (problematisch wegen der Sprachkurse).

Sonstige Prüfungen sind meist im Januar, manche Professoren halten ihre Prüfungen aber schon im Dezember nach Ende der Vorlesungszeit ab - also kurz vor Weihnachten. Es werden Wiederholungsprüfungen angeboten im Laufe des Februars bis zu Beginn des Sommersemesters (Ende Februar) oder während der Klausuren des Sommersemesters (Ende Mai bis Mitte Juli).

Für Klausuren gibt es zwei Systeme:

  • für die in der Vorlesung anwesenden Studenten (fequentanti), die sich auch in die Anwesenheitslisten eintragen müssen und auch die o.g. Cases mitschreiben oder begleitende Seminare besuchen und am Semesterende eine Klausur schreiben.
  • für Studenten, die nicht die Vorlesungen besuchen und nur die Literatur lesen und andere, meist schwerere Klausuren mitschreiben (fuori corso, non-frequentanti).

In beiden Fällen kann natürlich die volle Punktzahl erreicht werden.

Leben

Tagsüber verbringt man viel Zeit an der Uni, bis sich alles eingespielt hat, man seine Seminare hat und die Abläufe kennt. Auch sonst waren wir viel mit den Sprachkursen beschäftigt, auch will erst der richtige Bäcker und Metzger gefunden sein, ehe man sich wohlfühlt. Doch auch abends rührt sich einiges in der Stadt. Ähnlich wie bei uns ist in Turin vor Mitternacht in den Discotheken nicht viel los und man startet klassisch mit einem Essen in der Mensa oder im Ristorante in den Abend, verabredet sich auf den zahlreichen Privatfesten oder geht in eine Bar. Das Turiner Nachtleben spielt sich - bis auf wenige Ausnahmen- im Zentrum der Stadt ab.

Bars, Cafés, Pubs, etc. haben wir mehr gefunden, als man hier aufzählen könnte, hier meine Top 10: Drinks und Musik im "Alcool" (Lungo Po Cadorna), Weissbier im "Mc 'Erdinger' Killicuddies" (Piazza Albarello/ Via Garibaldi), Vino im "Tre Galli" (Via San Agostino), ins "Café Elena" abends auf einen Aperitivo mit Pippo Inzaghi oder einen Café in der winterlichen Mittagssonne (Piazza Vitt.Veneto), im "Shamrock" trifft man immer Freunde (Cso. V.Emanuele), das "Crazy Bull" hat die besten Burger und eine Zapfanlage am Tisch; immer reservieren!! (Cso. Regina Magherita), das "Café des Artes" weil es nach der Mensa immer auf dem Weg liegt, auf einen Vino zu "Erminio", da bekommt man auch den besten Barbera vom Fass (Cso San Maurizio) oder ins "Kapuziner" (Via Montebello), weil heimisches Bier immer noch am besten schmeckt!! Und in den Sommermonaten in die "Imbarchini" im Parco Valentino, der auch gut für Festivitäten geeignet ist.

Discos: Ein beliebter Treffpunkt ist, gerade am Anfang, das "XÓ", Via Po, da hier Donnerstags Erasmus-Parties bei freiem Eintritt stattfinden. Um die Ecke ist die Disco "Barrumba", Via San Massimo. Freien Eintritt gibt’s auch hier bis Mitternacht, oftmals hilft auch das Zauberwort "Erasmus"! Für die "Zona Castalia", Via Principe Amadeo, und für einige Discos am Po (leider nur in den Sommermonaten) gibt’s eine Clubkarte "Circolo ARCI": Kostenpunkt Lit. 15.000, dafür hat man aber ein Jahr freien Eintritt in alle ARCI-Läden, was sich aber auch am Publikum und der Musik in den Läden bemerkbar macht.

Alternativen sind am Wochenende die "Barrumba", das "Metro" (Mittwochs Erasmus-Parties und Fakultätsfeste, Via Gioberti).

Im Norden der Stadt gibt es noch die "Docks Dora", ein ehemaliges Fabrikgelände mit diversen Läden z.B. "Café Blue" oder "Reddocks". Freitags und Samstags sind dort gute D.J.s zu finden. (Via Valprato; grüsst mir Erika und Poldo im Snowboardshop!!)

Die Discos etwas ausserhalb der Stadt sind das "Hiroshima" (viele Live-Bands) und die "Zoo-Bar" (Cso Casale). Hip&Chic geht’s Freitags und Samstags ins "Hennessy" (Richtung Superga und die Schnellstrasse nach Chieri nehmen) und ins "Privilege" (Richtung Pinerolo-Airasca) – quasi ein "must"!

Aber rückblickend bleibt zu sagen, dass in den Discos hauptsächlich die Chartbreaker laufen, vereinzelt gibt es Rock-Abende (Zoo-Bar, Barrumba), die D&B- und BigBeat-Freunde finden Hörbares im Reddocks oder Donnerstags in der Barrumba.

Essen: Wer in Turin nichts findet, hat irgendwas falsch gemacht!!

Aber dennoch drei Tipps:

"Locanda da Betty" (Via San Francesco), Komplettmenü, immer reservieren, nur für viel Hunger geeignet. Ein Pastamenu gibt es in Chieri, im Zentrum neben der Kirche, leider habe ich keine Adresse mehr.

Die Menüs kosten ca Lit. 25.000, bei Betty gibt es eine Abfolge von Antipasti, Pasta e Secondi, in Chieri gibt es so viele Pasta-Gerichte hintereinander, bis wirklich alle satt sind!

"Mama Mia" (Cso San Maurizio), da gibt es –so sagt man- die besten Pizze der Stadt.

Kultur: Viel zu sehen gibt es in Turin allemal. Einfach in einen Reisführer hineinschauen und los geht’s.

Erwähnenswert sind die Turiner Filmfestspiele, bei denen auch viele Originalfilme auf französisch und deutsch laufen. Auch der "Salone della Musica" im Herbst hat jedem Musikgeschmack eine Woche lang viel zu bieten. Des weiteren finden im "Lingotto" viele klassische Konzerte statt und ein Opernbesuch im "Teatro Regio" ist Pflicht (Studentenkarten für Lit. 25.000 mit besten Balkonplätzen!).

Kunstmuseen und das Automuseum laden mit guten Ausstellungen immer wieder zum Besuch ein, hierfür organisiert auch mal Massimo vom Erasmusbüro etwas.

Für alle Fußball-Begeisterte: schon mal Gedanken machen, welchem der beiden Vereine man sein Herz schenkt – das ist wie in München eine tiefgreifende Entscheidung. Spätestens beim Derby steht man in der Curva Sud bei "Juve" oder im anderen Block bei "Toro".

Für den alpinen Wintersport finden sich auch genügend Möglichkeiten. Die italienischen Skigebiete sind quasi vor der Haustüre (ca. 1 bis 3 Stunden). Hierzu gibt es an der Fakultät (im Copy-Shop) oder im "Centro Sci Torino" (Via Massena 94) diverse Ermässigungs-Karten für die folgenden Skigebiete: Pila/ Aosta, Cervinia/Valtournenche, La Thuile, Sestriere, Bardonecchia, Courmayeur. Aber auch nach Frankreich ist‘s nicht weit. Chamonix ca. 3 Stunden, Serre Chevalier ca. 3h, La Grave/ Les Deux Alpes/ Alpe d’Huez ca. 4 bis 5 h. Die gleichen Ziele locken natürlich auch im Frühjahr/ Sommer zum Bergsteigen, doch da zieht es die meisten ans Meer zum Baden: bis Genova sind es ca 3 Stunden, v.a. Porto Fino und S. Margherita sind zu empfehlen. Aber auch die restliche ligurische Küste und die Nähe der Côte d’Azur laden dazu ein, das Wochenende ausserhalb von Turin zu verbringen. Gleiches gilt natürlich für die Ziele im Norden: Lago di Como, Lago Maggiore, Aostatal, ecc.

Fazit

Ich kann aber ganz sicher von mir sagen, ein interessantes, manchmal auch lernintensives Jahr gehabt zu haben, ohne aber den Spass eines Studienaustausches nicht vermisst zu haben. Zu einem Erasmus-Jahr kann ich - wenn im Studium die nötige Unterbrechung möglich ist – jedem nur raten, der eine zusätzliche Fremdsprache intensiv lernen will und auch etwas von Land und Leute sehen will. Auch für die Zeit danach bieten sich durch die zahlreichen Kontakte in ganz Europa noch viele Möglichkeiten, seine Sprachkenntnisse aufzufrischen oder sich in irgendeiner Stadt mal wieder zu treffen.

Dies soll‘s nun gewesen sein. Wer noch Fragen hat, möge sich einfach bei mir melden, vielleicht kann ich weiterhelfen. Christian Waller

Viel Erfolg bei der Bewerbung um einen der Plätze und dann viel Spass!

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