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Erfahrungsbericht: Universidad de Navarra, Pamplona

Facts ...

An der Universidad de Navarra stehen zwei Austauschplätze für je ein Semester zur Verfügung.

Das Studienjahr ist in Semestern organisiert:

  • 1. Sem.: Ende September - Mitte Februar
  • 2. Sem.: Mitte Februar - Ende Juni

Unterrichtssprache ist Spanisch.

... und Meinungen aus den Erfahrungsberichten ehemaliger Austauschstudenten

Die Unterkunft

Das wohl schwierigste Unterfangen ist hier ein optimales Zimmer zu bekommen, wenn man erst kurz vor Studienbeginn ankommt. Zwar haben viele ERASMUS- Studenten Glück gehabt, da gerade zum WS viele Wohnungen wieder frei werden, aber es gibt auch viele spanische Studenten, die sich schon vorzeitig (gegen Ende des SS) um eine Unterkunft bemühen.

Falls man also nichts dem Zufall überlassen will, empfiehlt es sich, schon im Juli das "Servicio de Alojamiento" zu kontaktieren (nicht abwimmeln lassen! Dort wird einem gesagt, es würde völlig ausreichen, sich eine Woche vorher drum zu kümmern), oder aber den Ansprechpartner vor Ort (coordinador) anzumailen und ihn zu bitten, die Namen und Telefonnummern der spanischen Studenten zu geben, die dieses Semester ebenfalls im Ausland sind. Es bietet sich geradezu an, deren Zimmer für das Semester zu übernehmen, da auch die Spanier froh sein dürften, ihr Zimmer langfristig nicht zu verlieren. Der günstigste Stadtteil ist übrigens Iturrama, da dieser direkt an der UNI liegt und der "Schulweg" somit meistens weniger als 10 Minuten beträgt.

Es gibt auch die Möglichkeit, direkt auf dem großzügigen und gepflegten Campus der UNI zu wohnen. Dort befinden sich die Wohnheime (Colegios Majores) des Opus Dei. Ab elf Uhr werden dort jedoch die Tore geschlossen und wenn man nicht rausgeschmissen werden will, ist man um diese Uhrzeit besser im Haus. Dies dürfte wohl jedem, der etwas vom spanischem Leben mitbekommen will, nicht allzu gut gefallen. Außerdem muß dort bis zu DM 1000 pro Monat gezahlt werden.

Der Ansprechpartner vor Ort

Der Ansprechpartner für die Austauschstudenten heißt Ricardo Perez. Er ist die erste Person der UNI, die der Student kennenlernt. Seine Aufgabe besteht darin, den Neuankömmlingen die ersten Tage an der UNI zu erleichtern und ihnen behilflich zu sein, falls eventuelle Probleme oder Fragen auftauchen, also das Gegenstück zu Frau Dr. Stenke. Er ist ein Spanier, wie er im Buche steht, was bedeutet, daß er nicht gerade mehr für einen machen wird, als er muß. Und meistens meint er, nicht unbedingt viel machen zu müssen. Falls es also um eine Angelegenheit geht, die ihn Arbeitet kostet, wird er u.U. auf seine Sprechzeit (Mittwoch, 16- 18 Uhr) verweisen, auch wenn er eigentlich gerade Zeit hat. Ansonsten ist er aber eine sympathische und liebenswürdige Person und wenn man sich mit ihm gut stellt (ich kenne z.B. jemanden, der ihm einige Flaschen bayerisches Bier mitgebracht hat), wird er einem stets zur Verfügung stehen und sehr hilfsbereit sein. Hier kann man also seinen ersten Umgang mit Spaniern lernen.

Er ist auch der Ansprechpartner, falls man nach dem Semester ein Praktikum in Spanien machen will. Hierbei ist aber u.U. Geduld aufzubringen: Ein Freund von mir bekam die Zusage zu seinem Praktikum erst 4 Tage vor dem gewünschten Einsatztermin. Das scheint in Spanien jedoch recht normal zu sein.

In jedem Falle kann man von den Beziehungen dieser Universität (viele hohe Funktionäre und wichtige Persönlichkeiten in der Wirtschaft in Spanien haben Verbindungen zum Opus Dei) hinsichtlich Praktika profitieren. Höchstwahrscheinlich wird man jedoch in einem deutschen Unternehmen eingesetzt (in Pamplona sind unter anderen VW, Bosch-Siemens und Deutsche Bank vertreten).

Die Spielregeln

Hier gibt es zum Glück nicht viele.

Zu nennen ist, daß Jungs die Universitätsgebäude nicht mit kurzen Hosen betreten dürfen. Mädchen mit Miniröcken werden zwar geduldet, sollten dann aber dunkle Strumpfhosen tragen. Die Universität ist vom Opus Dei gegründet, es sollte sich also nicht zu aufreizend angezogen werden. Bis vor einigen Jahren durften Mädchen hier auch keine Hosen tragen. In letzter Zeit ist die UNI diesbezüglich - bedingt durch ihre zahlreichen Auslandsbeziehungen- um einiges liberaler geworden.

Vielleicht sollten noch einige Worte über den Opus Dei verloren werden:

Von ihm wurde die UNI 1952 gegründet. Er ist eine Prelature, die direkt dem Papst unterstellt ist und strenge Ansichten hinsichtlich Leistung und Bildung hat. Der Opus Dei genießt innerhalb Spaniens sehr hohes Ansehen und hat, wie oben schon gesagt, viele Anhänger in der Wirtschaft Spaniens und generell wichtigen Positionen.

Auch einige Professoren und Professorinnen sind Opus Dei-Mitglieder, wobei es hier verschiedene Hierachie-Ebenen gibt. Über die Homepage der Universidad de Navarra kann nähere Info hierzu gefunden werden.

Seit neustem gibt es jetzt an den Eingängen von allen Gebäuden Drehkreuze und jeder Student bekommt eine Magnetkarte mit Chip, auf dem seine Daten gespeichert sind. So kann der Pförtner (bedel) auf seinem Bildschirm das Paßbild und einige Daten von jedem Studenten sehen, der ein– und ausgeht. Begründet wird dies mit mehr Sicherheit an der UNI (in der Vergangenheit gab es einige Bombendrohungen seitens der ETA). Aber viele sehen darin die "vollkommene" Kontrolle. Wie dem auch sei: Austauschstudenten, die nur ein Semester an der UNI studieren, werden ohnehin nie in den Genuß kommen, eine solche Karte zu erhalten, da man im Allgemeinen etwa 4 Monate nach Bestellung darauf warten muß. Eine kurze Bemerkung zu dem Pförtner, daß man Austauschstudent sei, genügt dann, um den Einlaß "gewährt" zu bekommen.

Die Menschen im "Norden"

Wer die offene Art der Spanier des Südens gewohnt ist, wird erst einmal über die verschlossene Art der Menschen von Pamplona erstaunt sein. Hier ist es notwendig, aktiv auf die Menschen zuzugehen, denn von alleine werden sie (außer bei einem wunderhübschen Mädchen natürlich) wahrscheinlich nicht den ersten Schritt machen. Natürlich gibt es auch viele Ausnahmen und 60% der Studenten kommen von außerhalb. Die Studenten sind jederzeit sehr hilfsbereit falls sie in der UNI angesprochen werden, verhalten sich aber manchmal dennoch etwas reserviert.

Viele sind Ausländer nicht gewohnt und wissen nicht so richtig, wie sie sich zu ihnen verhalten sollen. Deshalb sind gerade Studenten, die selber schon im Ausland waren, spürbar aufgeschlossener. In jedem Falle schmilzt die Berührungsangst, sobald hier ein Gesicht öfter gesehen wird. Eher extrovertierte Studenten dürften aber innerhalb weniger Wochen neue Freunde gefunden haben. Hier ist es sehr wichtig, offen auf die Menschen zuzugehen, dann wird man sich wohl fühlen.

Eine große Ausnahme in Pamplona gibt es: Während San Fermines (Anfang Juli) steht hier die Welt auf dem Kopf und jeder ist jedermanns Freund (siehe Hemmingway!). San Fermines ist die größte und bekannteste Fiesta im ganzen Jahr mit über 1 Million Besuchern in der Stadt. Alle sind dann wie ausgewechselt.

Die Fakultät der Wirtschaftswissenschaften

Die Fakultät der Wirtschaftswissenschaften ist in 3 "Departamentos" aufgeteilt:

  • Departamento de Economía (VWL)
  • Departamento de Administración y Dirección de Empresas (BWL)
  • Departamento de Métodos Cuantitativos

Die ERASMUS- Studenten können ihre Fächer aus allen Departamentos frei wählen (max. 7 Fächer/ Semester).

Generell hat der Unterricht in der Universidad de Navarra, verglichen mit der LMU, eher Schulcharakter. Die Klassengröße schwankt von 30 – 250 Studenten in Vorlesungen und Übungen (einige Vorlesungen finden übrigens auch am Samstag statt). Es gibt dort einen überwiegend festen Stundenplan (asignaturas obligatorias y troncales), desweiteren optionale Fächer innerhalb der Fakultät (asignaturas opcionales). Einige Credits können von Fächern anderer Fakultäten eingebracht werden (asignaturas de libre configuración). Dabei hat eine "asignatura" normalerweise 3 SWS (1,5 créditos pro Semesterwochenstunde) und besteht aus 2 Stunden (a 45 Minuten) Vorlesung und einer Stunde Übung. Die Vorlesungen sind hier mindestens so wichtig wie die Übungen!

Da die Austauschstudenten bei der "facultad de económicas" immatrikuliert sind, dürfen Fächer nur innerhalb dieser belegt werden, d.h. die Fächer der "libre configuración" fallen weg.

Es kann aber ein Spanisch- Sprachkurs am "ILCE-Institut" der UNI belegt werden. Hierfür muß sich jedoch – unabhängig von der restlichen Kursbelegung - direkt im ILCE-Büro im Hauptgebäude angemeldet werden. Das Institut bietet auch andere Kurse wie z. B. spanische Geschichte und Literatur an.

Ein Tip noch bezüglich der Fächer: Im WS gibt es das Fach "Economía del Desarrollo", das geblockt angeboten wird, und von drei wichtigen Persönlichkeiten der Weltbank aus Washington abgehalten wird. Dies ist mit Abstand das interessanteste Fach mit sehr viel Praxisbezug und wird auch nicht bei uns in dieser Form angeboten.

Das Niveau des Unterrichts ist im Allgemeinen recht hoch. Zwar ist es mit dem unsrigen nicht zu vergleichen, dies liegt aber daran, daß fast alle Fächer viel praxisorientierter sind, was in meinen Augen eine gute Ergänzung zu dem Unterricht an der LMU darstellt. Die spanischen Studenten, die nach München kommen, dürften aufgrund des theoretischeren Unterrichts größere Probleme haben als umgekehrt.

Allerdings sollte man die sprachlichen Barrieren nicht unterschätzen. Die Professoren sind allgemein gut zu verstehen wobei es jedoch einige (extremere) Ausnahmen bezüglich des Dialektes gibt.

Die UNI ist nach dem amerikanischen System aufgebaut. Es gibt Credit Points, und jeder Student der Betriebswirtschaften hat im Durchschnitt 8-9 Klausuren pro Semester zu schreiben. Die Note setzt sich aus Mitarbeit im Unterricht, einer eventuellen Arbeit (trabajo) genauso wie einer eventuellen Zwischenklausur (exámen parcial) sowie der Schlußklausur zusammen, wobei die einzelne Gewichtung im persönlichen Ermessen jedes Professors liegt.

Es ist ratsam, zu jedem Professor und Assistenten (Ayudante) in die Sprechstunde zu gehen um sich dort vorzustellen, denn hier geht, wie gerade schon gesagt, zum Teil auch aktive Mitarbeit (asistencia) in die Note ein, welche bei den ERASMUS-Studenten im Normalfall nicht allzu groß ausfallen wird. Man hat somit den Vorteil, sich in der VL ruhig zurück lehnen zu können, ohne aufgerufen zu werden, und erziehlt dennoch eine gute Note in diesem Bereich.

Die bekanntesten Professoren sind Luis Ravina (Dekan), Ricardo Mateo und Teresa Corzo.

Innerhalb von Spanien genießt die Universität ein hohes Ansehen. Dies ist besonders in den Studiengängen Medizin, Architektur, Jura und Journalismus der Fall. In den Wirtschaftswissenschaften baut die UNI sich gerade ihren Ruf auf. Die zur Universidad de Navarra gehörende Graduate School of Business Administration (IESE Barcelona-Madrid) gehört bereits zu den besten in Europa.

Der Lebensrhythmus (die Fiestas)

Gerade gegen Anfang des Semesters gibt es fast jeden Tag irgendwo eine Fiesta. Das sollte ausgenutzt werden, da hier viel getrunken wird (meistens combinados = Long-drinks) und die ansonsten so verschlossen und schüchtern wirkenden Jungen und Mädchen auf einen Schlag sehr mitteilsam und kommunikativ werden. Hier kann man am besten und schnellsten neue Leute kennenlernen.

Deshalb mein Rat: Feiert was das Zeug hält! Schließlich ist man nur einmal in Spanien und wenn die Spanier eines können, dann ist das feiern. Hier hat man den meisten Spaß und es gibt nie mehr eine so schöne Rechtfertigung für dieses "sündige" Leben.

Wer das erste mal in Spanien ist, wird jedoch merken, daß die Fiestas hier an die Substanz gehen, denn vor 6 oder 7 Uhr kommt man selten nach Hause. Aber man kann ja gerade am Samstag lange schlafen und sich wieder neue Kraft für die nächste Nacht holen.

Natürlich sind nicht alle Bars bis in die Morgenstunden offen, aber einige Klassenkameraden werden wissen, wo man noch hingehen kann. Einige Discotheken öffnen erst um 4 Uhr morgens!!!

Hartgesottene können Samstags und Sonntags ab 1 Uhr mittags wieder die Bars zum "aperitivo" aufsuchen.

Das Wetter

Leider ist das Wetter in Pamplona nicht so gut, wie man es von Spanien erwartet. Ab Mitte Oktober kann es fast täglich regnen und im tiefen Winter sogar schneien. Es wird dann auch gegen Dezember merklich kälter und warme (Regen-)Kleidung sollte dringend mitgebracht werden. Der Regenschirm ist das wichtigste Utensil.

Bei gutem Wetter ist ein Besuch von San Sebastián (an der Küste) immer einen Besuch wert (45 Minuten mit dem Bus).

Wichtige Ansprechpartner und Adressen

  • Ricardo Perez Merino (Relaciones exteriores)
    E-Mail: rpmerino@unav.es
    Tel: +34-948-425625
    Fax: 425626
  • Servicio de Alojamiento
    Tel: +34-948-425600 /425610
    Fax:+34-948-455619
    E-Mail: pgmarin@unav.es
  • Bei sonstigen Fragen kann man sich auch gerne an Friedemann Gerhardt, den Autor dieses Textes, wenden: friedemann@mail.sendanet.es